ComputerWorld Top200 Logo

Erfolgsrezept für den Low-Code Markt

Ein Interview mit Lukasz Wrobel, Stellvertretender Geschäftsführer und Leiter der Unternehmensentwicklung bei WEBCON.
WEBCON, Anbieter von Software zur Automatisierung von Geschäftsprozessen aus Polen, erschließt internationale Märkte – mit wachsendem Erfolg. Das Rezept? Ein gutes Produkt, viele Jahre Erfahrung und eine originelle Idee, wie man sich auf dem Markt für Low-Code-Technologie von anderen abheben kann, so Łukasz Wróbel, Senior Vice President und Leiter Unternehmensentwicklung bei WEBCON.

Wie war das Jahr 2021 für Ihr Unternehmen?

Sehr gut, aber auch sehr anspruchsvoll. Durch die Pandemie waren viele Unternehmen gezwungen, auf einen Schlag nachzuholen, was im Bereich Digitalisierung von Geschäftsprozessen über Jahre hinweg verschleppt und vernachlässigt worden war. Dass Unternehmen vor zwei Jahren plötzlich anfingen, sich stärker für den digitalen Wandel zu interessieren, hat die Nachfrage nach Software zur Automatisierung von Geschäftsprozessen gesteigert. Das ist einer der Gründe, warum wir im Jahresvergleich ein Wachstum von fast 40 % verzeichnen und unseren Umsatz im internationalen Geschäft im gleichen Zeitraum um fast 50 % steigern konnten. So hatten wir Ende 2021 mehrere Dutzend neue Kunden und strategische Partner.

Woher kommen diese guten Ergebnisse?

Der Markt für digitale Lösungen hat sich während der Pandemie schnell Fahrt aufgenommen. Es gab einen enormen Boom bei ortsunabhängigem Arbeiten und um das zu erleichtern, mussten viele Geschäftsprozesse entsprechend gemanagt werden. Um ehrlich zu sein – für viele Unternehmen musste es erst eine globale Pandemie geben, damit sie die Digitalisierung endlich in Angriff nehmen. Eigentlich hätte das schon vor langer Zeit geschehen sollen, wurde aber Jahr für Jahr aufgeschoben. Diese plötzliche Nachfragesteigerung hat sicher dazu beigetragen, unseren Umsatz in mehreren Schlüsselregionen zu steigern.
Zu erwähnen ist auch, dass wir das erste und bislang einzige polnische Unternehmen sind, dessen Low-Code-Plattform in der renommierten Studie zur Digital Process Automation von Forrester Research enthalten ist. Darin geht es um Anbieter, die man im Auge behalten soll – eine Art globale Empfehlung für Unternehmen. Auf dieser Liste präsent zu sein ist wichtig, vielleicht sogar unabdingbar für Unternehmen, die international Kunden gewinnen wollen, denn auf diese Weise lassen sich Unternehmen identifizieren, die sie vielleicht noch nicht kennen, aber morgen kennenlernen sollten.
Berichte wie der von Forrester richten sich nicht nur an ein lokales Umfeld. Unsere Aufnahme in den Bericht ist das Resultat monatelanger Arbeit und Diskussionen mit den Analysten, in denen es um Produktdesign, Unternehmensstrategie, Marktposition und Fallstudien über unsere europäischen und amerikanischen Kunden ging. Wir haben sogar mehrmals unsere Technologie demonstriert, um zu beweisen, dass wir die Versprechen, die wir geben, auch halten können.

Wie blicken Sie auf die ersten Schritte in den Weltmarkt zurück? Die Expansion über Polen hinaus ist ein wichtiger Schritt in der Strategie von WEBCON, richtig?

Wir haben die Entscheidung, die internationalen Märkte zu betreten, vor acht Jahren getroffen und zu-nächst das naheliegendste Ziel anvisiert: die DACH-Region. 2019, unmittelbar vor Beginn der Pandemie, haben wir dann unser Büro in den USA eröffnet.

Wie unterscheiden sich die internationalen Märkte – nicht nur von Polen, sondern untereinander?

Wir haben viel Arbeit darin investiert, ein starkes Image aufzubauen, mit dem wir die größten Unternehmen in Deutschland erreichen konnten, und dabei viel gelernt. Auf dieses Wissen konnten wir einige Jahre später zurückgreifen, als wir in die USA expandierten und anfingen, einigen der größten dortigen Unter-nehmen als Partner und Kunden zu gewinnen.
Es gibt die weit verbreitete Meinung, dass es für polnische Unternehmen schwierig ist, ausländische Märkte zu betreten, weil die Unternehmen dort lieber mit lokalen Partnern zusammenarbeiten wollen. Unsere Erfahrungen in den USA lassen das Gegenteil vermuten – in der kurzen Zeit, in der wir dort aktiv sind, haben wir weniger davon erlebt, als wir erwartet hatten. Der dortige Markt ist äußerst wettbewerbsintensiv, aber schon bei unseren ersten Schritten dort konnten wir mehrere Kunden unserer Konkurrenten für uns gewinnen. Ein qualitativ hochwertiges Produkt schafft mehr Vertrauen, als man vielleicht erwartet. Pratt & Whitney Kanada zum Beispiel, der weltweit führende Hersteller von Flugzeugtriebwerken, hat sich entschieden, unsere Plattform weltweit für Projekte zur Automatisierung von Geschäftsprozessen einzusetzen. Wir können es mit der Konkurrenz aufnehmen, weil potenzielle Kunden unsere Produktvision und unsere Erfahrung schätzen – dafür haben wir erstaunlich viel Anerkennung bekommen, auch wenn wir sie nicht auf amerikanischem Boden gesammelt haben.
Dabei hilft es, dass unsere Vision und unser Produktdesign sich deutlich von denen anderer Hersteller unterscheiden – wir sind also viel mehr als ein Me-too-Produkt aus Europa. Wir konzentrieren uns zum Beispiel nicht nur darauf, wie wir die Erstellung einer Anwendung vereinfachen können: Bei uns geht es ganz darum, den gesamten End-to-End-Bereitstellungsprozess zu optimieren, von der Erfassung der Anforderungen über die Bereitstellung, Schulung und Dokumentation bis hin zur laufenden Wartung. Unser besonderer Schwer-punkt liegt darauf, die Kosten für Änderungsmanagement und Anwendungswartung zu senken – daher digitalisieren unsere Kunden auf einer einzigen Plattform gleich Dutzende oder sogar Hunderte von Prozessen. Wir liefern also nicht nur ein Tool für eine einzelne Anwendung, sondern eine komplette „Fabrik”, in der zahlreiche Geschäftsanwendungen in Großserie produziert werden. Diese Vision sorgt für Aufmerksamkeit, bei potenziellen Kunden wie bei potenziellen Partnern.

Große Unternehmen, vor allem multinationale, nehmen sich oft nicht die Zeit, darauf hinzuweisen, wer ihnen beim digitalen Wandel geholfen hat. WEBCON hatte dieses Problem nicht, oder?

Ja, und das ist in der Tat eine Seltenheit. Digitalisierungsmaßnahmen dienen oft dazu, Probleme zu lösen – und Probleme öffentlich einzuräumen ist nicht immer attraktiv. Daher ist es schon ziemlich einzigartig, dass unsere Kunden bereit sind, ihre Geschichten zu erzählen – und wie unsere Software ihnen zum Erfolg verholfen hat. Immer wieder hören wir von ihnen, dass wir ihre Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen haben. So treten Kunden wie Echo Investment, LPP und Warbud mit uns auf Branchenkonferenzen auf und berichten über ihre Erfolge bei der Digitalisierung ihrer Unternehmen. Interessanterweise werden diese Geschichten, die eher bei uns zu Hause spielen, in fernen Ländern dennoch sehr positiv aufgenommen; sie sorgen für Aufmerksamkeit von Partnern, Kunden und Medienvertretern. Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte, ganz gleich, woher sie kommt oder an welches Publikum sie ursprünglich gerichtet war.

Die Erfolgsgeschichten Ihrer Kunden kommen aus vielen verschiedenen Branchen. Gibt es aber in der Praxis, sowohl bei der Produktentwicklung als auch im Vertrieb und Marketing, Branchen, auf die Sie sich besonders fokussieren?

Wie einer der Analysten von Forrester Research kürzlich sagte, müssen Marktführer die Verantwortung für ihre Geschäftsprozesse übernehmen. Deshalb entscheiden sich unsere Kunden so oft dafür, genau die Lösungen zu entwickeln, die sie brauchen, anstatt vorhandene Tools „von der Stange“ zu kaufen. Das ist für sie oft der Königsweg, um innovativ zu sein und Prozesse anders – und in der Regel besser – umzusetzen als ihre Konkurrenz. Dank unserer Plattform können sie dies zu einem Bruchteil der Kosten und ohne das Risiko einer herkömmlichen kundenspezifischen Entwicklung tun. Jede Branche kann von diesem Ansatz profitieren, und so repräsentieren unsere Kunden alle erdenklichen Sektoren: produzierendes Gewerbe, Bauwesen, Einzelhandel, Finanzwesen, Dienstleistungen, Hochschulwesen und mehr.
Oft beginnen sie damit, Anwendungen für elektronische Dokumentenströme und/oder zur Unterstützung von Back-Office-Prozessen zu erstellen, doch schon bald bauen sie auf dieser Grundlage hoch spezialisierte Branchenlösungen, die Prozesse wie Scoring, Risikobewertung, Bearbeitung von Kreditanträgen, Eröffnung neuer Ausstellungsräume, Entwicklung neuer Produkte und Qualitätsprüfungen unterstützen.

Wandeln sich Wahrnehmung und Nutzung von Low-Code-Plattformen?

Definitiv. Bis vor ein paar Jahren wurden Low-Code-Plattformen meist benutzt, um einfache Anwendungen zu erstellen. Heute fragt niemand mehr, ob sie auch zur Entwicklung geschäftskritischer Lösungen geeignet sind; der ernsthafte, ambitionierte Einsatz von Low-Code-Plattformen ist inzwischen die Norm. Die Platt-formen haben sich weiterentwickelt, haben eine Umgebung für die Anwendungsbereitstellung hervorgebracht, wo es entscheidend auf Sicherheit, Skalierbarkeit, Performanz und Auditierbarkeit ankommt. Das ist der Grund, warum sie heute so weit verbreitet sind.
Bei alldem gibt es allerdings eine Einschränkung: Low-Code-Plattformen werden oft mit einem Trend in Verbindung gebracht, der als „Citizen Development” bekannt ist. Fachanwender ohne technischen Hintergrund kommen dadurch manchmal zu dem Schluss, dass manuelles Coden gar nicht mehr erforderlich ist, dass sie Anwendungen einfach selbst erstellen können, ohne professionelle Entwickler sein zu müssen. Das ist verlockend und funktioniert manchmal auch – aber öfter beobachten wir, dass die Strategie, die Verantwortung für Innovationen an „Amateure” zu übertragen im Chaos endet. Es kommt zu Problemen mit der Infrastruktur, mit der Administrierbarkeit, zu Sicherheitslücken und Leistungsdefiziten. WEBCON hat daher in eine neue Idee investiert, um diese Probleme zu lösen: in das Citizen-Assisted Development. Dabei leisten alle einen Beitrag dazu, eine Lösung zu liefern. Die IT-Mitarbeiter bleiben für Entwicklung, Bereit-stellung und Wartung verantwortlich, aber die Fachanwender (die oft mit der IT zusammenarbeiten) spielen beim Design und bei der kontinuierlichen Verbesserung eine bedeutende Rolle. Dieser Ansatz ist das Ergebnis einer Vielzahl von Daten, die zeigen, dass viele IT-Projekte nicht an technischen Mängeln scheitern, sondern an Missverständnissen zwischen IT und Fachabteilungen.
Das ist mehr als nur eine Idee – es ist die Art, wie unsere Tools funktionieren. Nach dem Prinzip „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ helfen wir Fachanwendern, Prototypen zu zeichnen und zu testen und den IT-Experten ihre Anforderungen und Präferenzen klar zu machen. Projekte beginnen nicht mehr mit Exploration und Verhandlungen, sondern mit Zusammenarbeit und Kommunikation. Ein erfolgreiches Projekt geht alle an, und die Zusammenarbeit zwischen den Fachanwendern einerseits und IT andererseits liefert gute Lösungen. Die WEBCON-Plattform sorgt in besonderer, vielleicht sogar einzigartiger Weise dafür, dass dies funktioniert – und zwar gut funktioniert.

SPRECHEN SIE UNS AN

Erfahren Sie, wie wir unsere Kunden dabei unterstützen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Vereinbaren Sie einen Termin für eine kostenlose Online-Demonstration unserer Plattform oder berichten Sie uns, welche Anforderungen Ihr Unternehmen hat. Gern sprechen wir darüber, wie wir sie mit intelligenter Workflow-Automatisierung adressieren können.

* Pflichtfelder
top