Warum Low-Code-Plattformen

zum Arsenal von IT-Systemintegratoren
gehören sollten?

Schon seit einiger Zeit beobachten wir, dass das Interesse am Thema Low-Code ständig wächst und Unternehmen immer mehr Low-Code-Plattformen einsetzen. Mit Lukasz Wrobel, dem stellvertretenden Geschäftsführer und Leiter der Unternehmensentwicklung bei WEBCON haben wir darüber gesprochen, was Low-Code-Plattformen eigentlich sind und warum sie immer stärker eingesetzt werden.

Die Begriffe Low-Code und No-Code werden oft in einem Atemzug genannt. Handelt es sich dabei um zwei Label für ein und dieselbe Sache oder sind das zwei verschiedene Dinge? Wie würden Sie deren Größe und Potenzial bewerten?

LW: Es handelt sich um zwei verschiedene Dinge mit zwei unterschiedlichen Zielgruppen. Mit No-Code-Tools können einfache Anwendungen erstellt werden, meist von den Fachanwendern selbst – dies entspricht dem Trend zum Citizen Development.

Low-Code-Plattformen hingegen bieten mehr Optionen bei der Anpassung per Drag and Drop und mehr Möglichkeiten zu kontrollieren, welche Lösung letztlich dabei herauskommt. Sie richten sich an Anwender mit größerer technologischer Kompetenz und werden oft von IT-Abteilungen und Entwicklungsteams eingesetzt, die mehr Produktivität und Flexibilität anstreben.

Der Markt für beide Arten von Lösungen ist definitiv im Wachsen begriffen. Die Pandemie hat die Nachfrage nach Geschäftsanwendungen – und damit solchen Tools – sogar noch gesteigert. Prognosen von Gartner bestätigen diesen Trend; sie sagen dem Markt für Low-Code-Plattformen ein Wachstum von 30 % gegenüber dem Vorjahr voraus.

Low-Code-Plattformen werden verwendet, um eine Vielzahl von Anwendungen zu erstellen, von ganz einfachen bis hin zu geschäftskritischen. Gibt es besonders verbreitete Anwendungsfälle für Low-Code?

LW: Meistens wagen unsere Kunden den ersten Schritt in die Low-Code-Welt, indem sie Anwendungen zur Unterstützung von Backoffice-Prozessen erstellen. Beispiele sind die Weiterleitung von elektronischen Dokumenten und Formularen, wie Rechnungsgenehmigungen, Vertragsmanagement oder Urlaubsanträge. Wichtig ist dabei allerdings, dass sich mit der Einführung dieser ersten Low-Code-Anwendungen die Art ändert, wie Unternehmen über Prozesse nachdenken.

Einerseits steigt die Nachfrage seitens der Fachanwender, weil sie Anwendungen endlich schnell geliefert bekommen – und auch schnelle Updates, falls erforderlich. Andererseits sind die IT-Abteilungen nun weniger darauf fixiert, Technologie bloß zu kuratieren – sie konzentrieren sich nun stärker darauf, wie sie die Fachabteilungen mit Low-Code-Anwendungen unterstützen können. Eine große Rolle spielt dabei die Auslieferung neuer Anwendungen zur Unterstützung von Prozessen. Und da sich maßgeschneiderte Anwendungen mit Low-Code einfacher entwickeln und warten lassen, wird es für immer mehr wichtige Lösungen eingesetzt und in die Architektur ihrer Transaktionelle Systeme integriert. Einige unserer Kunden haben Low-Code-Systeme erstellt, um Markteinführungen zu managen, Läden zu eröffnen, Kreditanträge zu bearbeiten – und sogar für umfassende CRM-Lösungen.

Gibt es Unternehmen und Institutionen, für die Low-Code-Plattformen besonders gut geeignet sind?

LW: Eine Low-Code-Plattform ist ein Tool, das man einsetzt, um Anwendungen für Kunden zu erstellen. Sie sagen einem, was es leisten soll und welche Probleme es lösen muss. Das ist völlig unabhängig von Faktoren wie Branche oder Unternehmensgröße. Wir haben Kunden aus dem produzierenden Gewerbe, dem Einzelhandel, dem Dienstleistungssektor und dem Finanzsektor. Wir haben Behörden und Bildungseinrichtungen als Kunden. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden entscheiden darüber, was gebaut wird – nicht die Fähigkeiten der Plattform. Eine gute Low-Code-Plattform ist so flexibel, dass sie praktisch für alles verwendet werden kann.

Was sind die größten Einschränkungen von Low-Code-Plattformen?

LW: Viele Kunden kommen zu uns, nachdem sie bereits mit anderen Low-Code-Plattformen gearbeitet haben. Die „schmerzhafteste“ Einschränkung – und die, mit der sie am häufigsten konfrontiert sind, ist das Änderungsmanagement. Die meisten Low-Code-Plattformen konzentrieren sich darauf, eine Anwendung einmal zu erstellen und dann sofort zur nächsten überzugehen. „Wenn etwas low-code ist, ist es ein Wegwerfartikel“, so die implizite Annahme. Viele Low-Code-Projekte folgen daher letztlich einem Wasserfallmodell. Wenn eine Low-Code-Plattform keine integrierte Möglichkeit bietet, schnell auf Anfragen, Veränderungen des Geschäftsumfelds usw. zu reagieren, dann wird manuell geschriebener Code plötzlich doch wieder irgendwie attraktiv.

Und da ist noch eine Sache, die wir immer wieder beobachten – und die hat manchmal genauso viel mit den Anwendungsentwicklern zu tun hat wie mit der Low-Code-Plattform, für die sie sich entschieden haben. Solche Tools bzw. Entwickler neigen dazu, sich auf die offensichtlichen, sichtbaren Teile einer Anwendung zu konzentrieren und ignorieren dabei komplette Aspekte professioneller Sorgfalt, etwa im Bereich Auditing, Metriken und Überwachung, Sicherheit, Dokumentation, Skalierbarkeit usw. Solange es nur einen oder zwei Benutzer gibt, funktionieren solche Projekte durchaus ganz gut – aber sobald die Anwendung von einem breiteren Publikum genutzt werden soll, tauchen aus Sicht der Benutzer und Entwickler Risse in ihren Anwendungen auf, bis sie schließlich ganz zusammenbrechen.

Die IT-Abteilung eines Unternehmens verfügt nicht ohne Grund über Architekturpläne und -praktiken – und es kommt entscheidend darauf an, eine Low-Code-Plattform zu wählen, bei der sowohl die Fachanwender als auch die IT wirklich das bekommen, was sie brauchen. Flexibilität ohne Stabilität macht eine Lösung fragil. Aber auch wenn diese Einschränkungen weit verbreitet sind, sind sie keineswegs unvermeidlich. Low-Code-Plattformen können durchaus extrem stabil sein – aber die meisten Angebote sind es halt nicht. Es gibt Low-Code-Optionen, die ausgereift sind, mit sich verändernden Anforderungen umgehen können und die Stabilität, Zuverlässigkeit, Sicherheit usw. gewährleisten.

Wie werden Sicherheitsprobleme auf Low-Code-Plattformen gelöst? Besteht die Gefahr eines Datenverlusts? Gibt es neugierige Blicke? Bedenken in Sachen Datensouveränität?

LW: Man kann sich leicht vorstellen, dass Low-Code-Plattformen im Jahr 2021 nur noch als Cloud-gehostete, mandantenfähige SaaS-Angebote verfügbar sind und man als Kunde den Infrastrukturentscheidungen des Anbieters ausgeliefert ist. Dabei kann man durchaus noch auf Großunternehmen zugeschnittene Low-Code-Plattformen einsetzen, die den eigenen Präferenzen des Unternehmens entsprechend bereitgestellt und abgesichert werden können, d. h. in lokalen Rechenzentren, als Cloud-gehostete Infrastructure as a Service (IaaS) oder in einer Kombination aus beidem. Sie können durchaus Optionen finden, die Ihnen das Maß an Kontrolle ermöglichen, das sie benötigen.

Was das Thema Sicherheit betrifft – hier kommt es darauf an, wie ausgereift eine Software ist. Geht eine Low-Code-Plattform davon aus, dass Anwendungen mit ihr einmal erstellt und danach nie mehr verändert werden, dann überlässt sie das Thema Sicherheit wahrscheinlich auch den einzelnen Anwendungsentwicklern. Sie müssen dann selbst herausfinden, welche Funktionen sie aus Sicherheitsgründen einschränken sollten. In diesem Fall ist Ihre Anwendung nur so sicher wie ihr Entwickler. Ausgereifte Low-Code-Plattformen hingegen bauen die Sicherheit in die Plattform selbst ein. So können sich die Anwendungsentwickler einfach darauf verlassen, ohne bei jeder neu erstellten Low-Code-Anwendung aufs Neue über Sicherheitsfragen nachdenken zu müssen. Außerdem sind sie standardmäßig mit null Privilegien ausgestattet und fügen diese nur bei Bedarf hinzu. Sie berücksichtigen nicht nur, wer Low-Code-Anwendungen erstellt, sondern auch, wer sie bereitstellt und verwaltet. Die Erstellung einer Anwendung macht nur etwa 10 % des Gesamtaufwands aus, der für die Bereitstellung und den Support erforderlich ist.

Sie können eine Plattform bewerten und ziemlich schnell die „DNA“ ihres Designs einschätzen – ob sie z. B. für einen einzelnen Citizen Developer, eine IT-Abteilung, externe Berater usw. entwickelt wurde. Bei einer Plattform, die sich auch an die IT-Abteilung richtet, werden Anforderungen an Sicherheit, Rechteverwaltung und Datenzugriff von Anfang an berücksichtigt. Unsere Lösung wird z. B. von Finanzinstituten eingesetzt, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten, und in Regionen der Welt, in denen strenge Datenschutzgesetze gelten. Ihr kontinuierliches Wachstum ist vielleicht der beste Beweis dafür, dass Sicherheit bei unserer Low-Code-Plattform großgeschrieben wird.

Welche Rolle können große Unternehmen wie Microsoft oder SAP im Marktsegment Low-Code spielen?

LW: Mit ihrem Renommee und ihrer Fähigkeit, ein breites Publikum zu erreichen, tragen sie dazu bei, Low-Code populär zu machen und das Bewusstsein für das Interesse an und die Nachfrage nach Low-Code-Tools zu erhöhen. Beide Unternehmen haben Low-Code zu einem wichtigen Element ihrer Entwicklungsstrategie gemacht. Dies ist ein Beweis dafür, dass das Potenzial dieses Marktes wächst.

Können Low-Code-Plattformen den Bedarf an Entwicklern in der nahen Zukunft (zwei bis drei Jahre) deutlich reduzieren?

LW: Ein Grund, warum Low-Code-Plattformen entwickelt und implementiert werden, ist sicherlich der starke Mangel an Programmierern. Das ist ein weltweites Problem – selbst in Regionen, die für ihren großen Pool an Talenten bekannt sind, gestaltet sich die Personalsuche zunehmend schwierig. Low-Code bedeutet, dass Sie fortgeschrittene, sichere, effiziente und skalierbare Geschäftsanwendungen ohne Programmierkenntnisse erstellen können. So entschied sich einer unserer Kunden, eine Person mit Erfahrung in Buchhaltung einzustellen und ihr die Aufgabe anzuvertrauen, einen ersten Prototyp für die Anwendung zu entwickeln, die ihm vorschwebte. Das klappte gut – die Mitarbeiterin lieferte den ersten Prototyp in weniger als zwei Wochen.. Low-Code-Plattformen können von einer viel größeren Zahl von Menschen gemeistert werden und das kann dazu beitragen, mit dem Mangel an Programmierern umzugehen. Das wichtigste ist, dass man sich mit dem konkreten Prozess, der digitalisiert werden soll, auskennt und logisch denken kann. Gewisse technische Kompetenzen sind auch von Vorteil, vor allem wenn es um die Integration geht, aber dabei kann dann die IT helfen; Progammierkenntnisse sind nicht erforderlich. Es handelt sich um eine Technologie, die darauf ausgelegt ist, technologische Hürden auf dem Weg zur Digitalisierung beiseite zu räumen.

Sollten Wiederverkäufer oder Integratoren sich für Low-Code-Plattformen interessieren? Falls ja, warum?

LW: Gartner prognostiziert, dass 75 % der großen Unternehmen bis 2024 mindestens vier Low-Code-Lösungen für die Erstellung von Anwendungen im Einsatz haben werden. Das ist kein Zufall. Mit Low-Code lassen sich Anwendungen einfach schneller und billiger erstellen und Lösungen sich iterativ entwickeln. Dank diese Art der Zusammenarbeit mit den Kunden müssen Integratoren sich weniger auf die Lösung technischer Probleme fixieren, sondern können sich ganz darauf konzentrieren, das Geschäft ihrer Kunden zu verstehen. Sie hilft dabei, langfristige Beziehungen zu festigen, und aus taktischen Anbietern strategische Partner zu machen. Da Low-Code-Plattformen eine schnelle Anwendungserstellung und einfache Wartung bei geringen Kosten ermöglichen, können Integratoren ohne zusätzliches Personal mehr Lösungen für Kunden bereitstellen und supporten. Und das kann einen echten digitalen Wandel herbeiführen.

Wie schätzen Sie das Bewusstsein von Wiederverkäufern und Integratoren sowie Kunden für Low-Code- und No-Code-Plattformen ein?

LW: Wir sind 2011 damit begonnen, einen Partnerkanal in Polen aufzubauen. Heute haben wir mehr als 70 Partner auf der ganzen Welt. Vor wenigen Jahren mussten wir den Wert einer Low-Code-Investierung noch demonstrieren und beweisen. Heute ist das ganz anders: Der Markt hat sich dauerhaft verändert und Integratoren suchen aktiv nach zuverlässigen Low-Code-/No-Code-Partnern, mit denen sie interne Kompetenzen aufbauen und ihren Kunden Lösungen anbieten können. Zu unseren Partnern gehören Unternehmen, die ihr gesamtes Geschäft darauf ausgerichtet haben, maßgeschneiderte Geschäftsanwendungen mit Low-Code-Technologie zu entwickeln. Das ist kein Zufall.

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